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Archive for the ‘Wirtschaftstheorien’ Category

Die Krisentheorie des Paul C.Martin

Der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist Dr. Paul C. Martin entwickelte schon vor rund 20 Jahren eine Krisentheorie, die vielleicht dabei helfen kann, die derzeitige Weltfinanz- und Wirtschaftskrise besser zu verstehen.  Ausgangspunkt der Überlegungen Martins – die am ausführlichsten in seinem Buch „Der Kapitalismus – Ein System das funktioniert“ nachzulesen sind – ist die Geld- und Zinstheorie von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger, zwei Professoren an der Universität Bremen. Nach der bis heute in den Wirtschaftswissenschaften vorherrschenden Auffassung entstand das Geld in der Naturaltauschwirtschaft aus der marktgängigsten Ware, also der Ware, für die man am leichtesten Tauschpartner fand. Dabei wurde die eigene zum Markt bestimmte Ware  zunächst gegen diese marktgängigste Ware eingetauscht. Damit fand sich meist schnell ein weiterer Tauschpartner, der die eigentlich gewünschte Ware besaß und dafür die marktgängigste Ware entgegennahm. Als marktgängigste Waren setzten sich sehr bald die Edelmetalle Gold  und Silber   durch, welche nicht nur sehr begehrt, sondern auch noch unbegrenzt haltbar, leicht transportabel und gut teilbar waren. Diese Edelmetalle wurden zum  allgemeinen Zahlungsmittel, dem Geld. Die Tauschwerte aller Waren wurden durch das Geld untereinander vergleichbar und drückten sich in ihren jeweiligen Geldpreisen aus. Durch Geld wurde das Tauschen auf den Märkten also einfacher.

Zinsen wurden verlangt, wenn Geld oder Sachen verliehen wurden und gingen an  den Gläubiger als Entschädigung für dessen  vorübergehenden Verzicht auf die Vorteile durch die unmittelbare Verfügung über sein Geld (Liquiditätsprämie). Nach Heinsohn und Steiger wurde Geld aber nicht zur Vereinfachung des Warentausches erfunden, sondern entstand aus Schuldkontrakten. Und das ging so: In einer Gesellschaft freier Eigentümer, etwa im antiken Griechenland oder in Babylon,  geriet beispielsweise ein freier Bauer durch eine Mißernte in Not. Es fehlte ihm das Saatgetreide für das kommende Jahr, und er bat seinen reichen Nachbarn um Hilfe. Dieser besaß, wie allgemein bekannt war, sehr wertvolles Land und hatte auch eine dementsprechend gute Ernte eingefahren. Die beiden Bauern schlossen einen Vetrag, den Schuldkontrakt, der aus zwei Dokumenten bestand: Das erste Dokument war in  viele Einzeldokumente unterteilt, die jeweils für den Besitzanspruch auf einen kleinen definierten Anteil des guten Landes vom reichen Bauern standen. Diese  Einzeldokumente konnte  der in Not geratene Bauer nun jederzeit, wann immer es ihm günstig erschien, in Saatgetreide eintauschen, weil ja Ansprüche auf ein zwar kleines, aber außerordentlich wertvolles Stück Land dahinter standen.

Die Einzeldokumente wurden so zu Geld, das durch sehr wertvolles Eigentum abgesichert war und deshalb auch von jedermann als Zahlungsmittel akzeptiert werden konnte. Alle Waren wurden zu einem definierten Anteil des wertvollen Landes ins Verhältnis gesetzt und wurden so  wertmässig untereinander vergleichbar. Von dem Augenblick an, wo das erste  Geld auftauchte, gab es damit die ersten echten Märkte, wo Waren und Dienstleistungen im eigentlichen Sinne verkauft und gekauft wurden. In einem zweiten Dokument wurde die pünktliche Rückzahlung des verliehenen Geldes einschließlich Zinsen vereinbart. Der in Not geratene Bauer mußte als Schuldner also eine Mehrleistung erbringen, um neben der Tilgung auch die Zinsen an seinen Gläubiger zu zahlen. Nach Heinsohn und Steiger war der Zins eine Entschädigung für den vorübergehenden Verlust der Eigentumsprämie des Gläubigers: Dieser konnte während der Laufzeit des Schuldkontraktes, solange also das von ihm geschaffene Geld im Umlauf war, sein Land zwar weiterhin nutzen, aber er konnte es weder verkaufen noch für weitere Schuldkontrakte einsetzen. War der Schuldner nicht in der Lage die vereinbarte Rückzahlung zu leisten, so haftete er dafür mit seinem Eigentum, das er dann an den Gläubiger verlor.

Aus Schulden konnte also Geld entstehen, weil nicht nur ein Schuldner dafür gerade stand, sondern auch ein Gläubiger mit seinem von der Allgemeinheit als wertvoll angesehenen Eigentum. Oft war es aber nicht der Gläubiger selbst, der das Eigentum zur Gelddeckung bereitstellte, sondern eine angesehene dritte Person, die zugleich als neutrale Person die Einhaltung des Schuldkontraktes garantierte. So heisst es zum Beispiel auf einem altbabylonischen Tontäfelchen:

„Zalilum schuldet Nanna 6 Shekel Silber. Als Sicherheit dienen 5 Äcker Land, die im Eigentum des Kaufmanns Agaya sind, der das Land für die Rückzahlung des Silbers verpfändet. Sobald Zalilum das Silber zurückgibt, wird die Verpfändung des Landes des Agaya aufgehoben. Bis Zalilum das Silber zurückgibt darf Agaya den „miksu“ behalten (miksu = Ertrag von Feldern). Zeugen sind Sindata, Mannum-girrishu und Silii-Eshtar, die zum Beweis ihres Zeugnisses ihre Siegel abrollen. Im VII. Monat des Jahres (unleserlich).“

Zalilum ist also der Schuldner, Nanna der Gläubiger. Agaya sichert den Schuldkontrakt und erhält für den vorübergehenden Verlust der Eigentumsprämie seiner 5 Äcker Land einen Zins (miksu). Er übt damit praktisch die Funktion einer Bank aus.

Ausgehend von der Geld- und Zinstheorie von Heinsohn und Steiger widerlegt Paul C. Martin zunächst das Saysche Theorem der klassischen Wirtschaftstheorie. Nach dem französichen Ökonomen Jean-Baptiste Say (1767 – 1832) sorgen Angebot und Nachfrage normalerweise auf allen Märkten tendenziell für einen Gleichgewichtspreis bei dem alle Ressourcen optimal eingesetzt werden und deshalb auch letztendlich immer Vollbeschäftigung herrscht. Jede Produktion von Waren und Dienstleistungen, welche von Unternehmen auf den Märkten angeboten wird, entspricht einer gleich großen Summe von Einkommen (Löhne, Gewinne). Diese garantieren automatisch die notwendige gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Das gilt selbst dann, wenn ein Teil des Einkommens gespart wird und daher zunächst als Nachfrage ausfällt. Der Grund: Die gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke wird immer durch  Investitionen der  Unternehmen  (Investitionsnachfrage) geschlossen: Wenn viel gespart wird, sinken durch das Überangebot an Geld auf dem Kapitalmarkt die Zinsen für geliehenes Geld. Die Investitionen werden dann zunehmen, weil diese sich immer dann lohnen, wenn die dabei erzielte Rendite über dem Zinssatz liegt. Dieser Zinsmechanismus sorgt automatisch dafür, daß immer genug investiert wird, um die Nachfragelücke zu schließen.

Doch in Wirklichkeit, so Martin, erreicht die Wirtschaft niemals ein Gleichgewicht, denn es vergeht Zeit bevor die Kosten, die ja immer zugleich auch Einkommen sind, wieder als Nachfrage in die Unternehmen zurückkommen. Diese Zeit aber kostet  Zinsen, da sich die Unternehmen das Geld für die Kosten ausleihen müssen, solange jedenfalls, bis das Geld als Nachfrage wieder zurückfliesst. Das Geld um die Zinsen zu bezahlen fehlt jedoch noch, denn die zusätzliche Nachfrage, die erforderlich wäre, um die Zinsen zu erwirtschaften ist nirgendwo vorhanden. Nach Martin gibt es nur eine Möglichkeit das fehlende Geld herbeizuschaffen. Irgendjemand, Konsumenten oder andere Unternehmen müssen sich neu verschulden, um als Nachschuldner die alten Schuldner zu „erlösen“. Klappt das nicht, dann sind alle vorangegangenen Schuldner zum Untergang verurteilt. Die Wirtschaft funktioniert also wie ein Kettenbriefsystem! Ein wirtschaftliches Gleichgewicht kann es deshalb zwar niemals geben, aber ein stabiles Preisniveau durchaus: Jede durch Neuverschuldung ausgelöste Nachfrage  steigert tendenziell erst einmal die Preise. Es kommt dann zu einer mikroskopisch kleinen, auf einzelne Märkte begrenzten Inflation. Diese Mini-Inflation hält jedoch nicht lange an, denn die neuverschuldeten Nachfrager müssen ihre Schulden inklusive Zinsen schließlich auch bezahlen. Das können sie aber nur, indem sie selber etwas zum Verkauf anbieten, eine Ware, eine Dienstleistung oder einfach nur ihre Arbeitskraft. Dieses Zusatzangebot senkt nun aber tendenziell die Preise auf den einzelnen Märkten wieder. Eine Mini-Deflation hebt die vorangegangene Mini-Inflation wieder auf. Das Preisniveau bleibt so letztendlich stabil! Der Schuldendruck erzwingt also ein Wirtschaftswachstum, um Tilgung und Zinsen zu bezahlen und ist damit für die ungeheure Dynamik marktwirtschaftlicher Systeme verantwortlich. 

Soweit so gut. Problematisch wird es nach Martin aber dann, wenn der Staat die wirtschaftliche Bühne betritt und ebenfalls Schulden macht. Auf den ersten Blick erscheint das günstig, da der Staat hilft, das Kettenbriefsystem der ständigen Neuverschuldung aufrecht zu erhalten. Der Staat muß aber im Gegensatz zum Privatschuldner seine Schulden und die anfallenden Zinsen nicht unbedingt bezahlen, sondern er kann sie auch einfach stehenlassen und hochbuchen, indem er alte Schulden durch Neuverschuldung bedient. Seine Schulden bezahlen kann der Staat nur bei einem ausreichend hohen Wirtschaftswachstum, also über eine Mehrleistung seiner Bürger, wodurch wiederum automatisch mehr Steuern eingenommen werden. Alternativ kann der Staat aber auch einfach die Steuern erhöhen. Wollen die Bürger ihren Lebensstandard halten, so müssen sie mehr leisten. Andererseits hemmen höhere Steuern aber auch die Leistungsbereitschaft, da dann einfach zuwenig übrig bleibt. Höhere Steuern sind einfach sehr unpopulär! Daher verzichtet der Staat meistens lieber darauf. Die zwangslaüfige Folge: Dem durch Schuldenmachen neugeschaffenem Geld steht kein dementsprechendes Zusatzangebot auf den Märkten gegenüber. Die Preise steigen auf breiter Front, also Inflation!

Während einer Inflation entstehen und wachsen neue Märkte durch die zusätzliche staatliche Nachfrage. Die Unternehmen investieren tüchtig, um dabei zu sein. Wer darauf verzichtet, wird ansonsten zwangsläufig Marktanteile verlieren. Durch die vielen Investitionen wächst die allgemeine Verschuldung. Der Eigenkapitalanteil in den Bilanzen der Unternehmen geht gegenüber dem Fremdkapitalanteil, den Schulden, stetig zurück. Die Unternehmen werden dadurch immer krisenanfälliger. Während einer Inflation steigen die Zinsen immer weiter an und zwingen die Unternehmen zu einem immer größeren Zusatzangebot auf den Märkten. Das erfordert eine immer rationellere Produktion. 

Eine immer weiter wachsende Staatsverschuldung stösst aber dann an ihre Grenzen, wenn die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung der Steuerzahler, aus der allein die Schulden bedient werden können. Dann droht ein Staatsbankrott! Die Kosten der Inflation, die Zinsen, übersteigen deren Erträge in Form einer durch Neuverschuldung ausgelösten Mehrleistung. Das passiert, weil ein zunehmender Anteil der Neuverschuldung nur noch für Zinszahlungen verwendet wird  und deshalb  keine zusätzliche Nachfrage mehr auslöst.

Der Staat entschliesst sich nun zu sparen (Haushaltskonsolidierung) und fällt damit mehr und mehr als zusätzlicher Nachschuldner aus. Die Unternehmen bekommen zunehmende Absatzprobleme und müssen die Preise senken, um überhaupt noch Geld (Liquidität) zur Bedienung ihrer Schulden hereinzubekommen. Immer mehr Unternehmen müssen bei den Preissenkungen nachziehen, wollen sie nicht vom Markt verdrängt werden. Ein gegenseitiges Unterbieten beginnt, der Preiskampf läuft auf Hochtouren. Da mit den Preisen aber eben nicht gleichzeitig auch die Schulden zurückgehen wird die Lage der Unternehmen immer prekärer. Viele gehen Pleite und fallen als Nachschuldner aus. Eine deflationäre Abwärtsspirale kommt in Gange und dreht sich immer schneller: Wegen der schlechten Aussichten wird weniger investiert. Die Neuverschuldung sinkt, und das Kettenbriefsystem aus Schuldnern und Nachschuldnern kommt noch mehr ins Stocken. Die Unternehmen sind auch gezwungen Arbeitskräfte zu entlassen. Mit der steigenden Arbeitslosigkeit gehen die Bereitschaft zur Neuverschuldung und damit auch die Nachfrage noch weiter zurück. Die Preise fallen und fallen. Eine Pleitewelle erfasst die gesamte Wirtschaft. Immer mehr Schuldkontrakte können dann nicht mehr erfüllt werden, so daß die Gläubiger in das Eigentum der Schuldner vollstrecken müssen. Die Verwertung der Sicherheiten durch Zwangsversteigerung drückt die Preise der betreffenden  Vermögen. Damit fallen aber die Beleihungswerte ähnlicher Sicherheiten, wodurch noch mehr Schuldkontrakte platzen. Und so weiter und so fort.

Die aktuelle Weltfinanzkrise begann in den USA. Dort hatte die Notenbank unter Alan Greenspan vor einigen Jahren durch niedrige Leitzinsen die Wirtschaft angekurbelt. Das löste wegen einer erhöhten Nachfrage einen Immobilienboom aus. Angelockt durch hohe Wertsteigerungen von Häusern und Grundstücken wurden viele Hypothekenkredite auch von Leuten mit sehr geringem Einkommen aufgenommen.  Wegen ihrer geringen Bonität mussten sie den Hypothekenbanken dafür einen relativ hohen, variablen Zinssatz bezahlen. Als Sicherheit dienten die gekauften Immobilien selbst. Diese zweitklassigen (subprime)Schuldkontrakte der Hypothekenbanken wurden dann von Hedgefonds (Absicherungsfonds) oder Investmentbanken gekauft, in Wertpapieren zusammengefasst und an Anleger verkauft, die an den vergleichsweise hohen Zinsen verdienen wollten. Als die Notenbank dann aber wieder den Leitzins erhöhte und das allgemeine Zinsniveau wieder anstieg, konnten sehr viele Schuldkontrakte nicht mehr erfüllt werden und waren damit praktisch wertlos. Aufgrund der nun notwendigen Zwangsversteigerungen stürzten auch die Immobilienpreise ab. Dadurch platzten weitere Schuldkontrakte, da diese ja durch die ursprünglich hochpreisigen Immobilien abgesichert waren. Diese immer weiter laufende Abwärtsspirale entwertete natürlich auch die aus den Schuldkontrakten abgeleiteten Wertpapiere. Die betroffenen Fonds und Banken gerieten daraufhin in große finanzielle Schwierigkeiten. Das löste wiederum allgemeines Mißtrauen aus; der Banken untereinander, aber auch zwischen Banken und Anlegern. Die Banken verliehen seitdem sich und anderen immer weniger Geld. Damit aber unterblieb zunehmend die für die Wirtschaft lebenswichtige Neuverschuldung, und das Unheil nahm seinen Lauf.

Jens Christian Heuer

Quellen: 1) Gunnar Heinsohn und Otto Steiger: Eigentum, Zins und Geld von , Metropolis-Verlag 2) Paul C. Martin: Der Kapitalismus. Ein System das funktioniert. 3) Umbruch in ökonomischer Theorie und Wirklichkeit http://www.dasgelbeforum.net/links/umbruch080721.pdf

Die Capitol Hill Babysitting Co-Op als kleinste Geldwirtschaft der Welt

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts schlossen sich eine größere Gruppe Mitarbeiter beim amerikanischen Kongreß in Washington (die meisten davon Rechtsanwälte) und ihre Familien (ungefähr 150 Paare mit Kindern) zu einer Babysitting-Kooperative (Capitol Hill Baby Co-Op) zusammen, um Geldausgaben für jugendliche Babysitter einzusparen. Es war eine für alle Seiten vorteilhafte Sache: Ein Paar, das bereits an Kinder gewöhnt ist, wird es nicht als allzu große Belastung empfinden, neben den eigenen auf die Kinder eines anderen Paares einen Abend lang aufzupassen. Dafür bekommt man dann im Gegenzug an einem anderen Abend „kinderfrei“ und kann ausgehen. 

Capitol Hill in Washington, USA Quelle: Wikipedia

Aber es mußte ein System gefunden werden, das dafür sorgte, daß jedes Paar seinen gerechten Anteil bekam und beisteuerte.

Die Capitol Hill Co-Op fand eine sehr interessantere Lösung für dieses Problem. Die Babysitting Kooperative gab eine Art „Papiergeld“ (Coupons) aus, die jeweils einer halben Stunde Babysitting entsprachen. Jedes Paar, das der Babysitting-Kooperative beitrat erhielt 30 Babysitting-Stunden als „Startgeld“. Mit den Coupons wurde das gegenseitige Babysitting untereinander bezahlt, so daß so etwas wie ein sich selbst steuernder Markt enstand. Die Unsichtbare Hand des Babysitting-Marktes sorgte dafür, daß jedes der beteiligten Paare im Durchschnitt so viel Zeit mit dem Babysitting für andere Paare verbrachte, wie es umgekehrt diese Dienstleistung für sich in Anspruch nahm.

Die Babysitting Kooperative verfügte über einen Vorstand, der für seine Tätigkeit 102 Babysitting-Stunden pro Jahr erhielt. Außerdem benötigte man noch vier Personen, die komplett monatlich ausgewechselt wurden, um  alle Anfragen nach Babysittern und die entsprechenden Angebote zu bearbeiten. Pro Vorgang im Monat  gab es dafür 1 Babysitting-Stunde; bei durchschnittlich rund 150 Mitgliedern kamen so in 12 Monaten 1800 Babysitting-Stunden zusammen. Die „Verwaltungskosten“ der Babysitting-Kooperative beliefen sich also auf 1902 Babysitting-Stunden im Jahr. 

Der Jahresmitgliedsbeitrag jedes Paars betrug 14 Babysitting-Stunden und die Jahreseinnahmen damit rund 2100 Babysitting-Stunden. Der Überschuß betrug 198 Babysitting-Stunden und ging dem „Wirtschaftskreislauf“ ganz oder teilweise verloren, wenn keine oder nicht ausreichend viele neue Paare  der Kooperative als Mitglieder beitraten und dann als „Startgeld“ jeweils 30 Babysitting-Stunden ausgehändigt bekamen. Die Anzahl der im Umlauf befindlichen Coupons  wurde allmälich knapp. Die meisten Paare waren demzufolge bemüht, ihre privaten Coupon-Reserven durch Babysitten zu erhöhen, um auch wirklich genug davon zu haben, wenn man sie dringend brauchte. Sie gingen seltener aus und so gab es für alle immer weniger Gelegenheiten babyzusitten und Coupons einzunehmen. Dies machte die Paare noch zögerlicher, außer bei besonderen Anlässen, auszugehen und dafür mit Coupons zu bezahlen. Eine Abwärtsspirale kam in Gang, oder anders gesagt die Capitol Hill Co-Op rutschte in eine „Rezession“.

Karte des Capitol Hill Quelle: http://www.visitingdc.com/

Zunächst versuchte der Vorstand die Mitgliedspaare durch ein „Gesetz“ zu zwingen, mindestens zweimal im Monat auszugehen. Diese Maßnahme erzeugte aber viel Unmut und funktionierte nicht. Es gab nicht nur Rechtsanwälte in der  Babysitting-Kooperative, sondern auch ein paar Wirschaftswissenschaftler, die erkannten, daß ein echtes „Geldmengenproblem“ vorlag. So wurde schließlich doch noch ein Ausweg gefunden. Der Vorstand  verteilte mehr Coupons unter die Mitglieder, und sofort wuchs die Bereitschaft der Paare wieder mehr auszugehen. Die Möglichkeiten zum Babysitten vervielfachten sich und die privaten Couponreserven der Mitgliedspaare stiegen.  Alle wurden „reicher“ und waren erst einmal zufrieden!

Die Geschichte der Capitol Hill Babysitting-Kooperative, die von  Joan und Richard James Sweeny im Journal of Money, Credit and Banking im Jahre 1977 erstmals erzählt wurde, zeigt was passiert, wenn aus irgendeinem Grunde das Konsumentenvertrauen abnimmt, oder die Konsumenten schlichtweg zuwenig Geld zur Verfügung haben. Dann wird weniger ausgegeben und mehr gespart für schlechte Zeiten. Aber dann gibt es auch immer weniger Gelegenheiten überhaupt noch Geld zu verdienen, wodurch sich das Problem weiter verschärft. Und schon ist die Wirtschaftskrise da, wenn nicht energisch gegengesteuert wird und mehr Geld in Umlauf gebracht wird. Dafür ist in einer richtigen Volkswirtschaft in erster Linie die Zentralbank zuständig, aber auch die Politik kann mit Steuererleichterungen, verbesserten Abschreibemöglichkeiten bei privaten Investitionen oder direkten staatlichen Ausgabeprogrammen (Investitionsprogrammen) einen Beitrag leisten.

Vor allem macht die Geschichte der Babysitting-Kooperative aber deutlich, daß Wirtschaftskrisen nicht unbedingt auftreten, weil wir „über unsere Verhältnisse“ gelebt haben oder  weil schlechte Arbeit geleistet wurde. Stattdessen handelt es sich oftmals nur um ein Problem mit dem Geld, wovon einfach zuwenig da ist!

Wie eine Zentralbank da weiterhelfen kann wird deutlich, wenn wir die Babysitting-Kooperative in unserer Vorstellung noch etwas verbessern: Falls Paare so oft hintereinander ausgehen möchten, daß ihre Coupons dafür nicht ausreichen, so wäre es denkbar, daß der Vorstand ihnen erlaubt „Schulden“ zu machen, also einen „Kredit“ aufzunehmen. Um ein Überhandnehmen des „Schuldenmachens“ von vorneherein zu vermeiden, müssten „Zinsen“ genommen werden. Alles würde dann später durch gehäuftes Babysitten zurückbezahlt. Wenn die Mitglieder der Genossenschaft berichten würden, daß es ihnen leicht fiele, einen Babysitter zu finden und schwer, Gelegenheiten zum Babysitten zu bekommen, könnten die „Zinsen“ gesenkt werden, um die Paare zu ermuntern auszugehen. Wenn Babysitter aber knapp wären, könnte man die Zinsen erhöhen, um die Paare anzuhalten, weniger auszugehen.

Die verbesserte Babysitting-Kooperative hätte also ein neues Steuerungsinstrument, um ihre „Wirtschaft“ in einer „Rezession“ durch Zinssenkungen wieder in Gang zu bringen. Ist die Nachfrage und das Angebot beim Babysitten jedoch stark abhängig von der Jahreszeit, so nützt auch eine Erhöhung der umlaufenden „Papiergeldmenge“ (Coupons) nichts mehr:

Während des Winters, wenn es kalt und dunkel ist, wollen dann die meisten Paare kaum ausgehen, sind aber gerne bereit babyzusitten, um sich Couponreserven anzulegen, die sie dann an lauen Sommerabenden nutzen können. Dann werden im Winter, selbst bei einem „Zinssatz“ von Null, zuviel Paare nach Gelegenheiten zum Babysitten suchen anstatt auszugehen. Die Bereitschaft zum Ausgehen wird dadurch immer weiter abnehmen, und eine „Rezession“ ist dann unvermeidlich, trotz Erhöhung der umlaufenden „Papiergeldmenge“. Die Babysitting-Kooperative steckt in einer „Liquiditätsfalle“, also einer „Rezession“ bei einem „Zinssatz“ von Null. In einer richtigen Wirtschaft können dann vielleicht staatliche Investionsprogramme helfen.

Die Capitol Hill Babysitting Co-Op hatte übrigens zeitweise noch ein weiteres „wirtschaftliches“ Problem:
Manchmal waren zu viele Coupons im Umlauf. Die Mitgliedspaare wollte dann bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausgehen, aber es gab zuwenig Babysitting-Angebote; warum auch, wenn die privaten Couponreserven noch so groß waren. Die Babysitting-Kooperative durchlebte eine „Inflation“. Die umlaufende „Papiergeldmenge“ wurde dann vom Vorstand duch eine verminderte Couponausgabe gesenkt bis sich die Lage wieder beruihgt hatte.

In einer verbesserten Babysitting-Kooperative hätte der Vorstand dann als „Zentralbank“ die Möglichkeit mit einer Erhöhung der „Zinsen“ einzugreifen.

Jens Christian Heuer

Quellen: http://www.slate.com/id/1937/ und http://faculty.wcas.northwestern.edu/~mwitte/B01/handouts/sweeneys.html

Karl Marx – Die Kritik der Politischen Ökonomie

Vor 140 Jahren, im Herbst des Jahres 1867, erschien der 1.Band des „Kapitals“  von Karl Marx. Karl Marx gehört in eine Reihe mit Adam Smith und David Ricardo, die Begründer der Politischen Ökonomie, also der modernen Wirtschaftswissenschaften.
Besonders Adam Smith wollte in seinen Werken aufzeigen, daß ein freier Markt die einzig angemessene wirtschaftliche Organisationsform freier Menschen ist und wachsenden Wohlstand für Alle bringt, viel besser als eine vom Staat gelenkte Wirtschaft es je zustande bringen könnte. Schon zu Lebzeiten von Smith wurden die englischen Kolonien in Amerika unabhängig und die Vereinigten Staaten von Amerika gegründet. Eine neue Verfassung garantierte dort zumindest auf dem Papier alle bürgerlichen Freiheiten und ebenso auch die Freiheit des Marktes.Kurz nach dem Tode brach in Europa die französiche Revolution aus und läutete das Ende der alten Feudalordnung ein. Sie wurde abgelöst durch ein kapitalistisches System mit mehr oder weniger freien Märkten, wo alle Bürger formal rechtlich gleichgestellt waren. Oft war das Bürgerrecht aber auch noch an Besitz gebunden und Frauen waren sowieso davon ausgenommen. Mit der industriellen Revolution, die zu Anfang des 19.Jahrhunderts zunächst in England, dann aber auch in anderen europäischen Staaten begann, brach aber nicht allgemeiner Wohlstand herein, sondern es gab vielerorts neues Elend, ganz besonders bei der (mittellosen) Arbeiterschaft in den neu entstandenen Fabriken. Die Arbeitsbedingungen waren unmenschlich, die Löhne sehr gering und Kinderarbeit an der Tagesordnung. Der allgemeine Gesundheitszustand der Arbeiterschaft war schlecht und die Sterblichkeit hoch. So wie viele seiner Zeitgenossen, war Marx entsetzt und empört über diese Zustände und kritisierte sie immer wieder scharf. Doch er beließ es nicht bei einer moralischen Verurteilung, sondern versuchte zu erklären, warum das alles so war!
Der Widerspruch zwischen der versprochenen (formalen) Freiheit und der realen Unfreiheit, das war das Rätsel, das er mit seiner Wirtschafts– und Gesellschaftstheorie zu lösen versuchte. Marx entwarf dazu eine Kritik der klassischen Politischen Ökonomie von Smith und Ricardo, deren Verdienste er im übrigen aber immer wieder ausdrücklich würdigte.
Grund genug also, sich ein wenig näher mit der Theorie des berühmten Autors zu befassen, dessen Ideen weltweit Verbreitung fanden und theoretische Grundlage für große Teile der organisierten Arbeiterbewegung wurden.

Das Kapital, Band 1 blieb das einzige von ihm noch selbst fertig gestellte Buch seiner groß angelegten Kapitalismuskritik, denn die beiden anderen Bände konnte er nicht mehr vollenden.
Sie blieben Entwürfe, die erst nach seinem Tode von seinem Freund Friedrich Engels der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.


Karl Marx (1818-1883) 

 

 

Deshalb soll vor allem dieser 1. Band hier berücksichtigt werden. Nur im Ausnahmefall, wenn es der Gedankengang erfordert, werden auch Inhalte von Band 2 und 3 mit einfliessen.

Zum besseren Verständnis sollen aber zunächst die wichtigsten Aussagen der klassischen Politischen Ökonomie von Adam Smith und David Ricardo kurz dargestellt werden:

Die Unsichtbare Hand
Adam Smith „entdeckte“ die „Unsichtbare Hand“ des Marktes, deren Funktionsweise er in seinem Werk „Der Wohlstand der Nationen“ ausführlich beschrieb. Er sah die Menschen von egoistischen Antrieben bestimmt, aber ebenso auch von der „Sympathie “ füreinander. Diese Fähigkeit der „Sympathie“ beruhe darauf, daß sich der Mensch grundsätzlich in seinen Mitmenschen hineinversetzen könne. Er sei so in der Lage, an deren Schicksal Anteil zu nehmen, also mitzufühlen und dies sorge in erster Linie für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Einen so gebändigten Eigennutz, hielt Smith als Antriebskraft des Menschen für unverzichtbar! Da kommt nun die „Unsichtbare Hand“ ins Spiel: Indem jeder Einzelne, unabhängig voneinander, seinem Selbstinteresse folgt, werden die sich daraus ergebenden Handlungen in ihrer Gesamtheit, wie von einer „Unsichtbaren Hand“ zugunsten des allgemeinen Wohles gelenkt! Dieser Gedanke war wirklich revolutionär. Die Gesellschaft wird nicht in erster Linie von oben durch den Staat dirigiert, sondern die freie Gesellschaft lenkt sich selbst! Adam Smith hatte als Erster das Prinzip der Selbstorganisation („Die Unsichtbare Hand“) gefunden und war damit seiner Zeit weit voraus! Und so funktioniert die „Unsichtbare Hand“:
Jeder Mensch hat die Neigung, Dinge mit anderen Menschen zu tauschen, eine Folge der den Menschen angeborenen „Sympathie“ füreinander. Ein Tausch findet statt, wenn beide Seiten einen Vorteil darin sehen, ist also immer freiwillig!Der Tausch ermöglicht es den Menschen, die zu ihrer Existenzsicherung notwendigen Tätigkeiten untereinander sinnvoll nach jeweiligen Talenten oder erlernten Fähigkeiten aufzuteilen und die Ergebnisse dieser Tätigkeiten dann hinterher untereinander auszutauschen. Der Tausch ist also die Grundlage einer Arbeitsteilung, die zu wesentlich besseren Ergebnissen führt, als wenn jeder Einzelne oder jede einzelne Gruppe alle zur Selbsterhaltung notwendigen Tätigkeiten selbst durchführen. Wenn man einen Tauschpartner finden will, muss man sich jeweils in seine Mitmenschen hineinversetzen, um zu erraten, was diese benötigen. Der „Ort“ des Tausches ist der Markt, wo Anbieter und Nachfrager sich begegnen. Das was getauscht, also verkauft und gekauft wird, sind die Waren. Jeder Marktteilnehmer nimmt abwechselnd die Rolle des Anbieters und die des Nachfragers ein. Ein Austausch kommt nur zustande, wenn die jeweils gewünschte Ware dem Tauschenden mehr wert ist, für ihn also einen höheren Gebrauchswert hat, als diejenige Ware, die er dafür hergibt. Neben dem Gebrauchswert hat jede Ware aber auch noch einen Tauschwert. Dieser ergibt sich für den einzelnen Marktteilnehmer aus dem persönlichen Arbeitsaufwand, der für die selbst herzustellende Ware notwendig war und der einem die gewünschte Ware wert ist. Da alle Marktteilnehmer so handeln, tauschen sie die Waren zu ihren durchschnittlichen Arbeitswerten. Der Arbeitswert einer Ware hängt natürlich nicht nur von der durchschnittlichen Arbeitszeit zu ihrer Herstellung ab, sondern auch von der Schwere der dafür eingesetzten Arbeit und der für die Arbeit notwendigen Ausbildung. Der sich so auf dem Markt ergebende Tauschwert einer Ware ist ihr Preis.
Ein Problem ist aber das Auffinden eines Tauschpartners, der die gewünschte Ware anbietet und die selbst bereitgestellte Ware nachfragt. Die Lösung dafür ist die Erfindung des Geldes. Geld entwickelt sich immer aus der marktgängigsten Ware, also der Ware, für die sich am leichtesten Tauschpartner finden lassen. Dabei wird die selbst hergestellte Ware zunächst gegen diese marktgängigste Ware, also das Geld eingetauscht. Dann findet sich meist schnell ein weiterer Tauschpartner, der die eigentlich gewünschte Ware hat und dafür das Geld gerne annimmt. Als marktgängigste Waren erweisen sich nach einiger Zeit die Edelmetalle Gold und Silber, die sehr begehrt und außerdem auch noch unbegrenzt haltbar, leicht transportabel und gut teilbar sind. Die Tauschwerte aller Waren werden durch das Geld direkt untereinander vergleichbar und drücken sich in ihren jeweiligen Geldpreisen aus. Die „Unsichtbare Hand“ sorgt dafür, das die Waren die gebraucht werden, auch in ausreichender Menge zu denjenigen gelangen, die sie am meisten wünschen. Einmal indem sich die Anbieter auf die Wünsche ihrer Kunden einstellen, sich also in sie hineinversetzen. Zum anderen indem sie die angebotene der gewünschten Menge anpassen. Kommt es etwa bei einer Ware zu einem Versorgungsengpass, ist also die Nachfrage größer als das Angebot, so steigt der Preis dieser Ware, da sich die Nachfrager gegenseitig überbieten. Diejenigen, die die Ware am meisten wünschen, bekommen sie dann auch, weil sie bereit sind den höchsten Preis zu zahlen. Somit wird es lohnender, die nun teurere Ware anzubieten. Die Anbieter weiten ihr Angebot aus und neue Anbieter tauchen am Markt auf. Die Versorgung mit der vorher zu knappen Ware wird besser und ihr Preis fällt, bis sich Angebot und Nachfrage wieder die Waage halten. Besteht bei einer Ware ein Überangebot, so fällt ihr Preis und die Anbieter senken ihr Angebot oder scheiden sogar aus dem Markt aus. Das Überangebot geht zurück, Angebot und Nachfrage gleichen sich einander an, und die frei werdenden Mittel können zur Bereitstellung anderer, wichtigerer Waren genutzt werden. Das Ausmaß der möglichen Arbeitsteilung ist von der Größe des Marktes für eine bestimmte Ware abhängig. Nur bei einem hinreichend großen Markt kann sich eine umfangreiche Arbeitsteilung entwickeln, da sie sich dann wirklich lohnt. Dies ist nebenbei auch eine gute Begründung für den unbeschränkten Freihandel auch und gerade zwischen den Nationen!

Einen weiteren guten Grund für den Freihandel fand David Ricardo mit dem Gesetz der „Komparativen Kosten“: Danach lohnt es sich sogar für ein Land Außenhandel zu treiben das verglichen mit den anderen Ländern, alle Waren in kürzerer Zeit und damit kostengünstiger herstellen kann. Denn wenn es sich überwiegend auf die Waren mit dem vergleichsweise (komparativen) größten Kostenvorteil spezialisiert, kann es von diesen Waren -in der bei den anderen, nicht so vorteilhaften Waren eingesparten Zeit- überproportional mehr herstellen. Oder anders gesagt: Es ist immer besser seine Zeit für die Waren zu nutzen, von denen man in einer bestimmten Zeit die größte Menge herstellen kann, anstatt sie auf nicht so günstig herzustellende Waren zu verschwenden. Den dabei erzielten Überschuss kann man dann gegen die Waren eintauschen, die man in nicht so kurzer Zeit herstellen kann. Im Austausch erhält man so mehr davon, als man selbst hätte herstellen können, eben deshalb weil man die Waren zum Tausch anbietet, deren Herstellung am leichtesten fällt. Dies gilt auch dann, wenn ein Land bei der Herstellung aller Waren einen Kostenvorteil hat. Es genügt, daß dieser Vorteil bei den verschiedenen Waren unterschiedlich groß ist. Deshalb profitieren auch die wirtschaftlich schwächeren Länder grundsätzlich immer von der internationalen Arbeitsteilung und dem unbeschränkten Freihandel!

David Ricardo erklärte auch das Prinzip der Differentialrente: Sie kommt beispielsweise vor, wenn Bauern als Pächter Land unterschiedlicher Qualität bewirtschaften. Ist das Land mit den höheren Ernteerträgen vollständig belegt, so wird auch Land von geringerer Qualität gepachtet. Die Verpächter des guten Landes können nun aber einen höheren Pachtzins („Rente“) verlangen, denn auf ihrem Land können die Pächter ja auch die besseren Erträge erzielen, mit denen sie entsprechend höhere Einnahmen erzielen. Dieses ist eine Einladung an die Verpächter, diese höheren Einnahmen (zumindest teilweise) durch einen höheren Pachtzins abzuschöpfen. Auf dem schlechteren Land ist zwar der Pachtzins geringer, die Erträge aber eben auch. Der Verpächter des guten Landes ist allerdings gut beraten, den Pachtzins nur soweit zu erhöhen, bis er gerade eben den Einkommensunterschied zwischen dem Land mit besserer und dem Land mit schlechterer Qualität abschöpft. Noch klüger ist es aber, die Pachtzinserhöhung ein wenig niedriger ausfallen zu lassen, denn dann entscheidet sich der Pächter auf gar keinen Fall für einem Wechsel auf das schlechtere Land, denn dabei würde er nur verlieren. Für den Verpächter sind dann die höheren Pachtzinseinnahmen langfristig sicher. Der Unterschied in den Pachtzinsen zwischen dem guten, ertragreichen und dem schlechten, weniger ertragreichen Land heißt Differentialrente. Da ihr keine Wertschöpfung zu Grunde liegt, handelt es sich bei ihr um ein arbeitsloses Einkommen!

Die Kritik der Unsichtbaren Hand
Karl Marx würdigt im „Kapital“ , wie schon gesagt, zwar ausdrücklich die Leistungen von Adam Smith und David Ricardo, auf deren Theorien er auch aufbaut. Allerdings entwickelt er diese Theorien weiter und unterzieht sie gleichzeitig einer grundsätzlichen Kritik.

Dialektik
Karl Marx benutzt die Dialektik als Methode seiner Kritik der Politischen Ökonomie.
Der Begriff Dialektik stammt aus der antiken Philosophie und meint die Kunst des Gesprächsführung, des Dialogs. Zunächst wird eine Behauptung (These) aufgestellt, der dann eine Gegenbehauptung (Antithese) gegenüber tritt. In der Diskussion versucht man dann eine Lösung zu finden, die These und Antithese zusammenführt (Synthese).Dabei handelt es sich aber nicht um einen einfachen Kompromiss, sondern um die „Aufhebung“ der Gegensätze in einem „höheren Ganzen“. Das Wort „Aufhebung“ hat hier drei Bedeutungen, die immer mitgedacht werden müssen: Aufheben im Sinne von Beseitigen, aufheben im Sinne von Bewahren und aufheben im Sinne von anheben, auf eine höhere Stufe heben.
Georg Friedrich Wilhelm Hegel, der führende Philosoph des deutschen Idealismus wandelte die Dialektik von einer Diskussionsmethode zu einer Entwicklungstheorie um. Während es Hegel aber nur um die Entwicklung von Ideen ging, sah Marx in der Dialektik das Grundprinzip aller (materiellen) Entwicklungsvorgänge in Natur und Gesellschaft. Die Triebkräfte der gesellschaftlichen Entwicklung und damit auch der Geschichte sind Widersprüche in den Gesellschaften, die auf Gegensätzen in den wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen der Menschen beruhen. Diese Widersprüche bringen die Veränderung, denn das Bestehende wird über kurz oder lang in Frage gestellt (Negation). Schließlich werden das Bestehende und sein Gegenteil „aufgehoben“ (Negation der Negation), wobei die „Aufhebung“ wie schon gesagt in einen dreifachen Sinn zu verstehen ist. Das Neue hebt den vorangegangen Widerspruch auf, bewahrt aber auch Elemente des alten Gegensatzes. Die Entwicklung verläuft nicht nur allmählich, sondern oft auch in Sprüngen. Gegensätze können sich zunächst nach und nach aufbauen, ohne daß viel passiert. An irgendeinem Punkt sind sie aber so groß, daß eine plötzliche, grundsätzliche Veränderung eintritt und ein neuer Zustand entsteht( Umschlag von der Quantität in die Qualität). Für Marx ist die Geschichte genauso ein dialektischer Entwicklungsprozess in dem mindestens zwei gesellschaftliche Klassen immer mehr in Gegensatz zueinander geraten (Negation), bis dieser durch Herausbildung einer neuen Gesellschaftsordnung mit neuen Klassen (vorläufig) „aufgehoben“ wird (Negation der Negation).Auch in der neuen Gesellschaftsordnung bildet sich wiederum ein (neuer) Gegensatz zwischen den neuen Klassen heraus, wodurch die Entwicklung weiter geht. Erst mit der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft, also der „Aufhebung“ des Gegensatzes zwischen Kapitalisten- und Arbeiterklasse erreicht die geschichtliche Entwicklung ein endgültiges Ziel, eine Gesellschaft, „wo die freie Entwicklung eines jeden, die Vorbedingung für die Freiheit aller ist“! In dieser kommunistischen Gesellschaft gibt es keine Klassen und damit auch keine grundsätzlichen gesellschaftlichen Widersprüche (Antagonismen) mehr, die den Übergang zu einer neuen Gesellschaftsordnung erzwingen!

Kritik der warenproduzierenden Gesellschaft
Ausgangspunkt für Marx ist die Untersuchung der Ware, der „Elementarform“ des Reichtums der kapitalistischen Gesellschaft. Wie schon Smith und Ricardo unterscheidet Marx bei den Waren einen Gebrauchswert und einen Tauschwert. Jeder nützliche Gegenstand hat einen Gebrauchswert, der auf seinen stofflichen Eigenschaften beruht. Einen Tauschwert bekommt ein Gegenstand aber erst, wenn er nicht für den Eigenbedarf, sondern für den Verkauf (Tausch) auf einem Markt hergestellt wird, um so an andere nützliche Gegenstände, die nicht selbst hergestellt werden können, auf diesem Wege heranzukommen. Es gilt das Prinzip „Verkaufen um zu Kaufen“. Der auf dem Markt zum Verkauf angebotene Gegenstand wird so zur Ware. Der Tauschwert einer Ware zeigt sich in dem Austauschverhältnis mit dem diese Ware gegen andere Waren auf dem Markt getauscht wird. Dieses Verhältnis wiederum ist abhängig von den jeweils zur Herstellung der Gegenstände in der Gesellschaft durchschnittlich aufgewendeten Arbeitszeiten. Genauso sahen das grundsätzlich auch Smith und Ricardo. Marx betont aber, daß erst im Augenblick wo die Ware auf dem Markt verkauft werden soll, es sich wirklich herausstellt, wie viel durchschnittlich notwendige Arbeitszeit (abstrakte Arbeit) die Ware in den Augen der Gesellschaft enthält und damit auch wie viel sie wirklich wert ist. Wird die Ware überhaupt nicht oder nicht im erwarteten Ausmaß auf dem Markt nachgefragt, so war ihre Herstellung ganz oder teilweise überflüssig. Die über den Markt gesellschaftlich anerkannte durchschnittliche Arbeitszeit, die abstrakte Arbeit, entspricht also nicht der individuell geleisteten Arbeitszeit, sondern ist niedriger oder liegt gar bei Null. Mit anderen Worten: Der erzielte Preis ist aus Sicht des Herstellers (Produzenten) zu gering und er wird die angebotene Menge dieser Ware in Zukunft verringern oder sogar auf die Herstellung einer anderen, besser nachgefragten Ware umsteigen. Entwickelt dagegen der Produzent ein Herstellungsverfahren, das ihn weniger kostet als die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit, so erzielt er einen Extragewinn, zumindest solange bis auch andere Produzenten sein Verfahren übernehmen, womit die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit zur Herstellung der Ware und damit der Tauschwert der Ware nun auch geringer wird. Der Extragewinn entfällt dann wieder, es bleibt aber ein Fortschritt bei der Herstellung der Ware, die billiger und damit leichter verfügbar wird. Das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, also nichts anderes als die „Unsichtbare Hand“ von Adam Smith sorgt „hinter dem Rücken“ der Beteiligten dafür, daß die Waren auf längere Sicht immer im Verhältnis der zu ihrer Herstellung notwendigen gesellschaftlich (anerkannten)durchschnittlichen Arbeitszeiten getauscht werden. Erst auf dem Markt wird die individuelle Arbeit also „gesellschaftlich“!
Die Waren und ihr Wert gibt es nach Marx also nur in marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaften. Erst der Markt, wo Anbieter und Nachfrager mit ihren Erwartungen und Wünschen aufeinander treffen und ihre füreinander hergestellten Waren austauschen, verleiht den Waren neben dem Gebrauchswert auch einen Tauschwert! Damit läuft auch eine häufig an Marx geäußerte Kritik vollkommen ins Leere. Danach beruhen dessen Theorien auf der veralteten Arbeitswertlehre von Smith und Ricardo und vernachlässigen damit die für den Wert der Waren entscheidende persönliche Wertschätzung durch die Nachfrager am Markt. Doch Marx betont ja gerade, daß der der Wert der Waren gesellschaftlich bedingt ist. Das bedeutet aber: der Wert ist auch abhängig von der Wertschätzung durch die Nachfrager, also der gesellschaftlichen Anerkennung! Sie entscheiden letztendlich, ob die für die Herstellung der Waren aufgewendete Arbeitszeit gesellschaftlich „sinnvoll“ war oder nicht.

Geschaffen werden die Warenwerte aber trotzdem durch die Arbeit!

Marx sieht die „Unsichtbare Hand“ im Gegensatz zu Smith und Ricardo aber sehr kritisch, denn er spricht in ihrem Zusammenhang von einer planlosen „anarchischern Produktion“ , die in der warenproduzierenden (marktwirtschaftlich organisierten)Gesellschaft herrsche. Erst als „blinder Durchschnitt“ ergibt alles einen Sinn. Im Gegensatz dazu befürwortet Marx eine überlegt geplante gesellschaftlichen Produktion organisiert und durchgeführt von einem „Verein freier Menschen“ ! Der gesellschaftliche Charakter der Warenproduktion, also die Tatsache, daß die Menschen füreinander arbeiten wird in der, warenproduzierenden Gesellschaft erst sichtbar, wenn die zuvor privat, also isoliert voneinander hergestellten Waren auf dem Markt getauscht werden, denn erst dann wird zu anderen Mitgliedern der Gesellschaft überhaupt ein Kontakt hergestellt. Bei einer gesellschaftlich geplanten Produktion ist der gesellschaftliche Charakter der Produktion von vorneherein gegeben und auch jedermann bewusst.
Die ungeplante private Herstellung von Waren mit der erst nachträglichen Anpassung an die gesellschaftlichen Bedürfnisse auf dem Markt ist für Marx ein dialektischer Gegensatz, der auf der inneren Widersprüchlichkeit der Ware selbst beruht. Denn sie enthält als dialektisches Gegensatzpaar einen Gebrauchswert und einen Tauschwert.

Kritik der kapitalistischen Gesellschaft
Die kapitalistische Gesellschaft hat gegenüber der einfachen warenproduzierenden Gesellschaft aber noch einige Besonderheiten. Die Mittel zur Produktion sind hier nicht mehr in etwa gleichmäßig verteilt, so daß jeder selbstständig seine eigenen Produkte als Waren zu Markte tragen kann Vielmehr konzentrieren sich die Produktionsmittel vorwiegend in den Händen einer kleinen Gruppe, den Kapitalisten. Die meisten Menschen verfügen daher über keine Produktionsmittel mehr, um Waren herzustellen, zu verkaufen und davon zu leben. Ihnen bleibt daher nichts anderes übrig, als ihre eigene Arbeitskraft zu verkaufen. Der Preis für diese ihre Arbeitskraft ist der Lohn. Sie werden damit zu Lohnarbeitern.

Diese Teilung der Gesellschaft in zwei Klassen ist nun keineswegs „natürlich“, sondern das Ergebnis eines historischen Prozesses, der viele Kleinproduzenten (Handwerker, Bauern) ihrer Produktionsmittel beraubte. Das geschah beispielsweise dadurch, daß Bauern von Großgrundbesitzern gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden, oder als Handwerker im Wettbewerb mit Manufakturen oder später auch mit Fabriken unterlagen.

Während es in der einfachen warenproduzierenden Gesellschaft darum geht zu „Verkaufen um zu Kaufen“, kommt in der kapitalistischen Gesellschaft ein weiteres Prinzip hinzu: „Kaufen um zu Verkaufen“.

Damit kommen wir direkt zum Begriff Kapital: Marx versteht darunter Wert, der sich selbsttätig vermehrt, oder anders gesagt eine bestimmte Menge Geld wird zum Kauf bestimmter Waren eingesetzt (investiert), diese werden dann genutzt und danach wird wieder verkauft, so daß am Ende eine größere Menge Geld dabei herauskommt als zuvor eingesetzt wurde.

Und das geht so: Die Kapitalisten kaufen Arbeitskraft als eine Ware von den Arbeitern und erwerben das Recht diese Arbeitskraft für die Dauer der verabredeten Zeit nach ihren Vorgaben zu nutzen. Die Kapitalisten bestimmen so den Inhalt der Arbeit und den Ablauf der Produktion. Der Arbeiter, zuvor noch ein (formal) freier und ebenbürtiger Vertragspartner, wird während der Arbeitszeit unfrei, denn er muss sich nun dem Kommando des Kapitalisten unterwerfen. Sein eigenes Arbeitsprodukt gehört nicht mehr ihm, sondern dem Kapitalisten, der es dann allerdings später noch auf dem Markt loswerden muss. Der Kapitalist benötigt neben der Arbeitskraft natürlich auch Produktionsmittel, die er ebenfalls einkauft. Da er zu diesem Zeitpunkt ja noch keine Einnahmen hat, bleibt ihm nichts anderes übrig, als Arbeitskräfte und Produktionsmittel mit seinem eigenen „vorgeschossenen“ Kapital oder auch mit Fremdkapital (Schulden) vorzufinanzieren. Nur die Arbeit schafft neue Werte, die Produktionsmittel übertragen hingegen nur ihren eigenen Wert, der durch die zu ihrer Herstellung jeweils erforderliche Arbeit geschaffen wurde, nach und nach auf die Produkte. Den Teil des Kapitals, der in die wertschöpfende Arbeitskraft investiert wird, nennt Marx deshalb variables Kapital, den anderen Teil, der für die Produktionsmittel ausgegeben wird, die selbst ja keinen neuen Wert hervorbringen, nennt er konstantes Kapital. Während der Produktion wird also nur durch die Arbeiter dem Wert der Ausgangsprodukte neuer Wert hinzugefügt und zwar solange bis das Endprodukt fertig ist. Diese Wertschöpfung läuft solange weiter, bis der ist neu geschaffene Wert größer ist als der Wert der in der Produktion eingesetzten Arbeitskräfte. Das ergibt einen Wertüberschuss, den Mehrwert, dessen Größe sich aber erst im Nachhinein entscheidet, wenn der Wert der Ware auf dem Markt durch Angebot und Nachfrage gesellschaftlich ermittelt wird. Der Wertzuwachs den die Arbeitskräfte hervorbringen wird also teilweise unentgeltlich erbracht, sofern dieser über den Wert der eingesetzten Arbeitskräfte, also den Arbeitslohn hinausgeht. Diesen Vorgang der Aneignung von Mehrwert durch den Kapitalisten nennt Marx „Ausbeutung“. Hierauf beruht der fundamentale dialektische Gegensatz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten in der kapitalistischen Gesellschaft, also zwischen den Kapitalisten und der Arbeiterklasse. Für die Lohnarbeiter ist die Ausbeutung nicht immer ohne weiteres erkennbar, denn die Form des Arbeitslohnes erweckt den Eindruck als würde die jeweils geleistete Arbeit bezahlt (Stundenlohn, Monatslohn, Akkordlohn usw.).

In Wirklichkeit wird aber die Arbeitskraft bezahlt und diese kann dann solange genutzt werden, bis ein Mehrwert zustande gekommen ist, wenn denn der Markt mitspielt.

In früheren Gesellschaften trat die Ausbeutung deutlicher zutage. Im Feudalismus arbeiteten die (leibeigenen) Bauern auf den Feldern einen großen Teil der Arbeitswoche für den Grundherrn und den Rest der Zeit für die Selbstversorgung. Die Aneignung des Mehrwerts durch den Feudalherrn war hier durch die Aufteilung der Arbeitswoche unübersehbar.

Der Mehrwert wird vom Kapitalisten zum Teil konsumiert, zum Teil wieder investiert (s.u.) und mit dem Rest werden u.a. die Schulden mit Zinsen, Miete für Betriebsräume und der Pachtzins für Grundstücke beglichen. Dadurch entstehen wiederum arbeitslose Einkommen. Mieten und Pachtzinsen hängen jeweils von Lage und Qualität der Betriebsräume und Grundstücke ab. Es gilt das Prinzip der Differentialrente nach Ricardo (s.o.).

Der Mehrwert ist wie schon gesagt keinesfalls garantiert. Er muss erst noch am Markt realisiert werden. Gelingt es dem Kapitalisten nicht einen ausreichenden Preis zu erzielen, so schrumpft der Mehrwert sehr schnell zusammen, ja es kann sogar ein Verlust dabei herauskommen, wenn am Markt vorbei produziert wurde. Weiterhin besteht immer die Gefahr, daß ein Mitbewerber am Markt ein besseres Produktionsverfahren findet, so einen höheren Mehrwert erzielt und trotzdem noch seine Waren zu einem günstigeren Preis anbietet. Dann droht der Verlust von Marktanteilen oder sogar die Pleite. Dieser Gefahr kann der Kapitalist nur durch ständige Neuerungen (Innovationen) bei den eigenen Produktionsverfahren begegnen. Das gelingt nur, wenn ein Teil des erzielten Mehrwerts wieder investiert wird, wodurch das Kapital anwächst (Kapitalakkumulation). Die damit verbundene Automatisierung der Produktion führt immer wieder zu Arbeitslosigkeit, was die Verhandlungsposition der Arbeiter bei den Lohnverhandlungen natürlich grundsätzlich schwächt. Die Höhe der Löhne und damit der Wert der Arbeitskraft ergeben sich nun einerseits aus dem Wert der Waren, die die Arbeiter kaufen müssen, um sich selbst und ihre Familien zu erhalten, andererseits ist natürlich auch der Wert der Ausbildung mitentscheidend. Je weiter fortgeschritten eine Gesellschaft ist, umso großzügiger ist im Allgemeinen auch der „Warenkorb“ bemessen, der den Arbeitern zur Verfügung steht. Dies gilt ganz besonders dann, wenn es starke Gewerkschaften und Arbeiterparteien gibt, die den Kapitalisten echte Zugeständnisse abtrotzen können.

Die Kapitalisten versuchen im Gegenzug ihren Mehrwert auf Kosten der Lohnarbeiter zu vergrößern. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: Verlängerung der Arbeitszeit, Lohnsenkungen und Erhöhung der Arbeitsproduktivität. Normalerweise ist eine Verlängerung der Arbeitszeit, ebenso wie eine Lohnsenkung nur schwer durchsetzbar. Diese Erhöhung des absoluten Mehrwerts gelingt meist nur bei hoher Arbeitslosigkeit. Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität durch vermehrten Einsatz von Maschinen ist das Mittel der Wahl, denn sie sorgt dafür, daß die Arbeiter den Gegenwert ihres Lohnes in verkürzter Zeit produzieren. Die Arbeitsproduktivität nimmt also zu. Bei gleicher Arbeitszeit entfällt so ein größerer Anteil der Arbeitszeit auf die eigentliche Mehrwertproduktion. Das nennt Marx die Erhöhung des relativen Mehrwerts.

Der Kapitalismus gerät dadurch noch in einen weiteren inneren dialektischen Widerspruch: Die Erhöhung des relativen Mehrwerts durch höhere Arbeitsproduktivität lässt die Lohnhöhe verglichen mit der erhöhten Warenmenge zurückfallen und das selbst dann, wenn die absolute Höhe der Löhne zunimmt. Da die Lohnarbeiter aber auch einen Großteil der möglichen Kunden. ausmachen, bleibt die Nachfrage hinter dem Angebot zurück, so daß der Mehrwert nicht mehr in vollem Umfang realisiert werden kann. Die Bemühungen der Kapitalisten ihren relativen Mehrwert zu verbessern führen somit geradewegs in eine Wirtschaftskrise. Ähnliches passiert natürlich auch bei einer Erhöhung des absoluten Mehrwerts auf Kosten der Lohnarbeiter.

Der Grad der Ausbeutung der Arbeiter ergibt sich nach Marx aus der Mehrwertrate. Sie setzt den Mehrwert ins Verhältnis zum Variablen Kapital, also dem Teil des Kapitals, der zum Kauf der Arbeitskraft von den Arbeitern eingesetzt wird:

M = m/V
M = Mehrwertrate, m = Mehrwert, V = Variables Kapital

Für den Kapitalisten noch interessanter ist die Profitrate (Rendite), die den Mehrwert zum Gesamtkapitaleinsatz unter Einschluss des nur wertübertragenden, aber nicht wertschöpfenden Konstanten Kapitals ins Verhältnis setzt:

P = m/V+K
P = Profitrate, m = Mehrwert, V = Variables Kapital, K = Konstantes Kapital

Karl Marx ging nun davon aus, daß durch den Wettbewerb und dem damit verbundenen Rationalisierungsdruck, der Einsatz von Maschinen immer mehr ausgeweitet wird. Das sorgt zwar einerseits für einen erhöhten relativen Mehrwert, andererseits steigt durch die teure Anschaffung neuer und besserer Maschinen auch der Anteil des nicht wertschöpfenden Konstanten Kapitals auf Kosten des Variablen Kapitals, dessen Einsatz allein den Mehrwert überhaupt erst hervorbringt. Marx meinte der zweite Effekt würde im Allgemeinen überwiegen und formulierte deshalb das Gesetz von der fallenden Profitrate.
Zudem sollte sich über kurz oder lang eine einheitliche Profitrate in allen Branchen der Wirtschaft herausbilden. Immer dann wenn in einer Branche eine besonders hohe Profitrate erzielt wird, ist das ein Anreiz für die Kapitalisten aus weniger profitablen Branchen hinüberzuwechseln. Durch den dann zunehmenden Wettbewerb in der besonders attraktiven Branche sinken dort die Preise. Die volle Realisierung des Mehrwerts gelingt nicht mehr, und die Profitrate fällt. In den vorher weniger profitablen Branchen wird der Wettbewerb durch die Abwanderung von Anbietern schwächer, die Preise steigen und damit auch die Profitraten. Auf diese Weise gleichen sich die Profitraten verschiedener Branchen in der Wirtschaft schließlich aneinander an.

Fazit
Die Entdeckung der „Unsichtbaren Hand“ eröffnete erstmals in der Menschheitsgeschichte die Möglichkeit, das Tor zu einer freien Gesellschaft freier Menschen weit aufzustoßen.
Herrschaft von Menschen über Menschen wurde nicht nur mehr als ungerecht empfunden, sondern war auch in der Sache unnötig geworden, denn der freie Markt war zumindest theoretisch in der Lage, die Zusammenarbeit zwischen freien Menschen auf freiwilliger Basis, wie von selbst auch ohne eine Obrigkeit sicherzustellen.

Und tatsächlich, die Herrschaft des feudalen Adels, die Leibeigenschaft und das Zunftwesen mit ihren einengenden Vorschriften wurden nach und nach überwunden.

Doch die Hoffnung auf wirkliche Freiheit erfüllte sich leider nur für einige wenige!

Die meisten blieben oder wurden völlig mittellos und mussten als Lohnarbeiter ihre ihnen nun selbst gehörende Arbeitskraft an die neue herrschende Klasse der Kapitalisten verkaufen, die allmählich immer reicher wurden. Den Arbeitsvertrag schlossen sie zwar noch als (formal) freie Arbeiter mit dem Kapitalisten ab, doch in Wirklichkeit hatten sie keine Wahl, als selbst die schlechtesten Arbeitsbedingungen hinzunehmen, wenn sie nicht verhungern wollten. Auch die Kinderarbeit war weit verbreitet. Während der Arbeitszeit, die ohnehin den Hauptteil des Tages ausmachte, mussten sie sich dem Willen der Kapitalisten vollkommen unterwerfen. Von Freiheit keine Spur! Das Elend der neuen Arbeiterklasse war wirklich unbeschreiblich. und wurde von Marx auch im „Kapital“ eindrucksvoll geschildert. Karl Marx gebührt das Verdienst nicht nur auf diese Zustände hingewiesen, sondern sie auch erklärt zu haben. „Das Kapital“ von Marx wurde zum theoretischen Fundament der langsam erstarkenden Arbeiterbewegung, der es gelang in langwierigen und opferreichen Kämpfen die Lage der Lohnarbeiter zu verbessern, die teilweise sogar einen recht beachtlichen Wohlstand erlangten. Durch die wachsenden Einkommen der Arbeiter stieg die allgemeine Kaufkraft, und so konnte die „Unsichtbare Hand“ des Marktes immer besser funktionieren.
Trotzdem aber gilt auch heute noch: In letzter Instanz zählt nur der Wille des Kapitals, dem sich die Arbeiter unterwerfen müssen. Ihr Schicksal bleibt also auch unter sonst günstigen Umständen fremdbestimmt. Alle sozialen Errungenschaften und damit auch die realen Freiheiten der Arbeiterschaft stehen auch heute noch jederzeit zur Disposition, wenn sie dem Profitinteresse entgegenstehen. Darüber hinaus herrschen auch heute noch in den Fabriken viele Länder Zustände, so wie sie Marx zu seiner Zeit (fast) überall vorfand.
Karl Marx bleibt damit aktuell!

Karl Marx sah die „Unsichtbare Hand“ wie oben beschrieben aus grundsätzlichen Erwägungen sehr kritisch und wollte sie durch eine bewusste demokratische Planung in einer freien Gesellschaft ersetzen. Privateigentum an Produktionsmitteln sollte abgeschafft und zu selbstverwalteten Gemeineigentum werden. Marx übersah meines Erachtens dabei aber die freiheitsfördernden Eigenschaften der „Unsichtbaren Hand“. Da sie grundsätzlich nur auf Freiwilligkeit aufbaut, ist im Prinzip die Anwendung von Zwang und Gewalt kein Mittel zum Erfolg. Das fördert tendenziell eher freundliche, den Mitmenschen respektierende Umgangsformen. Wenn eine hinreichend gleichmäßige Einkommensverteilung gegeben ist, lässt die „Unsichtbare hand“ auch die Wünsche von Minderheiten zum Zuge kommen, eine Bevormundung, auch durch eine Mehrheit ist hier grundsätzlich unmöglich! Diese Gefahr besteht aber selbst bei vorbildlich demokratischer Planung, denn die Mehrheit kann die Wünsche der Minderheit einfach überstimmen, wenn sie ihr nicht gefallen, was ein unzulässiger Eingriff in die persönliche Freiheit der Minderheit wäre. Die „Unsichtbare Hand“ garantiert dagegen Selbstbestimmung, was besser ist als nur Mitbestimmung in den persönlichen Angelegenheiten. Immer dann, wenn Menschen direkt zusammenarbeiten und gesellschaftliche Entscheidungen getroffen werden, garantiert hingegen die demokratische Mitbestimmung die größtmögliche Freiheit für alle. Dieses sollte doch auch gerade für die Arbeit in den Betrieben gelten, wo viele für gewöhnlich die meiste Zeit ihres Lebens zubringen.

In diesem Zusammenhang sehr interessant: Karl Marx sah selbstverwaltete Betriebe, auch schon innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaft als großen Fortschritt an:

„Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der auf den ersten Blick als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. … Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.“ Karl Marx, Das Kapital III, MEW 25, 454.

„Wir anerkennen die Kooperativbewegung als eine der Triebkräfte zur Umwandlung der gegenwärtigen Gesellschaft; die auf Klassengegensätzen beruht. Ihr großes Verdienst besteht darin, praktisch zu zeigen, dass das bestehende despotische und Armut hervorbringende System der Unterjochung der Arbeit unter das Kapital verdrängt werden kann durch das republikanische und segensreiche System der Assoziation von freien und gleichen Produzenten.“ Karl Marx, Forderungen der IAA, MEW 16, 195.

Wären selbstverwaltete Betriebe in einer freien Marktwirtschaft vielleicht eine Alternative?

Jens Christian Heuer
Quellen:
„Das Kapital“ von Karl Marx, Dietz-Verlag, Berlin
Karl – Marx – Forum (
http://www.marx-forum.de/)

Die Entdeckung der Unsichtbaren Hand

Im 18. Jahrhundert beschäftigte sich der schottische Moralphilosoph Adam Smith (1723-1790), wie viele seiner Kollegen mit der Frage, wie eine Gesellschaft freier Menschen funktionieren könne. Dieses war eine zentrale Frage der Philosophie der Aufklärung, die ja den freien Menschen anstrebte. Der frühe englische Aufklärungsphilosoph Thomas Hobbes (1588-1679) war von einem Urzustand des Kampfes jeder gegen jeden ausgegangen, der durch einen Gesellschaftsvertrag beendet werden sollte. In diesem Gesellschaftsvertrag übertrugen alle beteiligten Menschen ihr Selbstbestimmungs- und Selbstverteidigungsrecht und damit all ihre Macht auf eine zentrale Institution, den Staat, der fortan für den Schutz voreinander sorgen sollte (Gewaltmonopol des Staates). Dazu sollte der Staat umfangreiche Eingriffsmöglichkeiten in die Persönlichkeitsrechte der Vertragspartner haben. Demgegenüber betonte der schottische Philosoph John Locke (1632-1704), die jedem Menschen mit der Geburt zustehenden persönlichen Freiheitsrechte, die nur ihre Grenze bei den Rechten des Anderen finden sollten. Er befürwortete, ebenso wie Hobbes, die Idee eines Gesellschaftsvertrages, sprach sich aber ausdrücklich für ein Widerstandsrecht des Einzelnen gegen einen ungerechten Staat bzw. dessen Regierung aus. Die Ideen John Lockes beeinflußten die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) und auch die französische Revolution (1789). Adam Smith stand in der Tradition dieser und anderer Philosophen der Aufklärung, fügte aber noch einige entscheidende Gedanken hinzu.

Adam Smith (1723-1790) Quelle: Wikipedia 

In seiner „Theorie der ethischen Gefühle“ (1759) grenzte sich Adam Smith von einem extrem egoistischen Menschenbild deutlich ab. Die Menschen waren danach nicht nur von egoistischen Antrieben bestimmt, sondern ebenso von der „Sympathie “ füreinander. Da sich der Mensch grundsätzlich in seinen Mitmenschen hineinversetzen könne, sei er auch in der Lage, an deren Schicksal Anteil zu nehmen, also mitzufühlen. Diese Fähigkeit der „Sympathie“ sorge in erster Linie für den Zusammenhalt einer Gesellschaft und eben nicht nur das Gewaltmonopol eines Staates. Außerdem habe der Mensch durch die „Sympathie“ die Möglichkeit zur Selbstkritik, indem er sein eigenes Verhalten aus der Sicht seiner Mitmenschen betrachte. Einen so gebändigten Eigennutz, hielt Smith als Antriebskraft des Menschen für unverzichtbar, und da kommt erstmals die Unsichtbare Hand ins Spiel! Indem jeder Einzelne, unabhängig voneinander, seinem Selbstinteresse folgt, wirken die sich daraus ergebenden Handlungen in ihrer Gesamtheit, wie von einer Unsichtbaren Hand geführt, zugunsten des allgemeinen Wohls. Dieser Gedanke ist wirklich revolutionär. Die Gesellschaft wird nicht von oben durch einen Staat gelenkt, sondern die freie Gesellschaft lenkt sich selbst! Adam Smith hatte als Erster das Prinzip der Selbstorganisation gefunden.


Die Unsichtbare Hand Quelle: The Atlantic Online

In seinem bekanntesten Werk, dem sich mit der Wirtschaft befassenden “ Wohlstand der Nationen“, zeigt Adam Smith, wie die Unsichtbare Hand im wirklichen Leben funktioniert:

Jeder Mensch hat die Neigung, Dinge mit anderen Menschen zu tauschen. Dies kann dann stattfinden, wenn beide Seiten einen Vorteil darin sehen. Ein Tausch ist also immer freiwillig! Der Tausch ist Ausdruck der „Sympathie“. Der Tausch ermöglicht es den Menschen, die zu ihrer Existenzsicherung notwendigen Tätigkeiten untereinander sinnvoll nach jeweiligen Talenten oder erlernten Fähigkeiten aufzuteilen und die Ergebnisse dieser Tätigkeiten dann hinterher untereinander auszutauschen. Der Tausch ist also die Grundlage einer Arbeitsteilung, die zu wesentlich besseren Ergebnissen führt, als wenn jeder Einzelne oder jede einzelne Gruppe alle zur Selbsterhaltung notwendigen Tätigkeiten selbst durchführen.

Wenn man einen Tauschpartner finden will, muss man sich jeweils in seine Mitmenschen hineinversetzen, um zu erraten, was diese benötigen. Der „Ort“ des Tausches ist der Markt, wo Anbieter und Nachfrager sich begegnen. Jeder Marktteilnehmer nimmt abwechselnd die Rolle des Anbieters und die des Nachfragers ein. Die Tätigkeiten, die auf einem Markt getauscht werden, das sind die Waren. Ein Austausch kommt nur zustande, wenn die jeweils gewünschte Ware dem Tauschenden mehr als die dafür herzugebene Ware wert ist. Adam Smith nannte diesen Wert den Gebrauchswert. Neben dem Gebrauchswert hat jede Ware aber auch noch einen Tauschwert. Dieser ergibt sich für den einzelnen Marktteilnehmer zunächst aus dem persönlichen Arbeitsaufwand, der für die herzugebende Ware notwendig ist und der einem die gewünschte Ware wert ist. Da alle Marktteilnehmer so handeln, tauschen sie die Waren im Durchschnitt zu ihren Arbeitswerten. Je mehr „durchschnittliche Arbeit“ also in einer Ware steckt, um so wertvoller ist diese Ware. Der Arbeitswert einer Ware hängt natürlich nicht nur von der Arbeitszeit zu ihrer Herstellung ab, sondern auch von der Schwere der dafür eingesetzten Arbeit und der für die Arbeit notwendigen Ausbildung. Der sich so auf dem Markt ergebende Tauschwert einer Ware ist ihr Preis.

Das Ausmaß der möglichen Arbeitsteilung ist von der Größe des Marktes für eine bestimmte Ware abhängig. Bei einem kleinen Markt ist eine umfangreiche Arbeitsteilung nicht lohnend, da nur geringe Warenmengen getauscht werden und umgekehrt.

Ein Problem ist das Auffinden eines Tauschpartners, der die gewünschte Ware anbietet und die selbst bereitgestellte Ware nachfragt. Die Lösung ist die Erfindung des Geldes. Dabei handelt es sich immer um die marktgängigste Ware, also die Ware, für die sich am leichtesten Tauschpartner finden lassen. Dabei wird die herzugebende Ware zunächst gegen diese marktgängigste Ware eingetauscht. Dann findet sich meist schnell ein weiterer Tauschpartner, der die eigentlich gewünschte Ware hat und dafür die marktgängigste Ware, das Geld also, gerne annimmt. Als marktgängigste Waren erweisen sich nach einiger Zeit die Edelmetalle Gold und Silber, die sehr begehrt und außerdem auch noch unbegrenzt haltbar, leicht transportabel und gut teilbar sind. Die Tauschwerte aller Waren werden durch das Geld direkt untereinander vergleichbar und drücken sich in ihren jeweiligen Geldpreisen aus.

Die Unsichtbare Hand sorgt dafür, das die Waren die gebraucht werden, auch in ausreichender Menge zu denjenigen gelangen, die sie am meisten wünschen:

Einmal dadurch, das die Anbieter sich auf die Wünsche der Nachfrager einstellen, sich also in sie hineinversetzen (s.o.).

Zum anderen dadurch, das sie auch die angebotene der gewünschten Menge anpassen. Kommt es etwa bei einer Ware zu einem Versorgungsengpass, ist also die Nachfrage größer als das Angebot, so steigt der Preis dieser Ware, da sich die Nachfrager gegenseitig überbieten. Diejenigen, die die Ware am meisten wünschen, bekommen sie auch, weil sie bereit sind den höchsten Preis zu zahlen. Dadurch wird es lohnender, die nun teurere Ware anzubieten. Die Anbieter weiten ihr Angebot aus oder neue Anbieter tauchen am Markt auf. Die Versorgung mit der vorher zu knappen Ware wird besser und ihr Preis fällt, bis sich Angebot und Nachfrage wieder die Waage halten. Besteht bei einer Ware ein Überangebot, so fällt ihr Preis und die Anbieter senken ihr Angebot oder scheiden sogar aus dem Markt aus. Das Überangebot geht zurück, Angebot und Nachfrage gleichen sich einander an, und die frei werdenden Mittel können zur Bereitstellung anderer, wichtigerer Waren genutzt werden.

Angebot, Nachfrage und Marktpreis (Gleichgewichtspreis) Quelle: Wikipedia

Die Unsichtbare Hand funktioniert allerdings nur bei einer hinreichend gleichmäßigen Geldeinkommensverteilung richtig gut. Sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich allzu groß, so kommen nur die Reicheren in den Besitz der Waren und nicht diejenigen, die sie am meisten wünschen bzw. am dringendsten brauchen. Die Ärmeren können dann schlichtweg nicht mitbieten. Diese Problematik hat Adam Smith im „Wohlstand der Nationen“ nicht direkt behandelt; sie lässt sich aber meines Erachtens aus der Logik seiner Gedankengänge ableiten. Immerhin spricht Adam Smith aber von einem notwendigen Mindesteinkommen, um ein würdiges Leben führen zu können.

Adam Smith setzte sich für den Freihandel und gegen jeglichen Protektionismus ein. Er sah im Freihandel die Grundlage für eine, auch internationale Arbeitsteilung, um so den Wohlstand aller Völker gemeinsam zu heben und den Frieden zu sichern.

Jens Christian Heuer

Quellen:
Untersuchungen über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker
(„Wohlstand der Nationen“) von Adam Smith,
Neuübersetzung von Erich W. Streissler
Wikipedia, Einträge Adam Smith, John Locke und Thomas Hobbes